Was sagt die Wissenschaft?
Aus Sicht der Biologie muss man sagen: Die Treue liegt
uns nicht gerade in den Genen. Uns steuern unterbewusst
die Gene, unser biologisches Programm steuert unsere
Triebe, ohne dass wir es merken, in der Partnerschaft und
auch beim Sex. Evolutionär betrachtet ist die Untreue
weder beim Mann noch bei der Frau ein Ausrutscher,
sondern sogar vorgesehen. Beim Hang zum Fremdgehen
sind Männer und Frauen weitgehend gleich. Dieser Aspekt
widerspricht dem gängigen Klischee, dass Männer von
Natur aus untreuer seien als Frauen.
Aus Sicht der Evolutionsforscher sind männliche und
weibliche sexuelle Motivation von Natur aus verschieden.
Der Mann ist theoretisch in der Lage, unzählige
Nachkommen zu zeugen für ihn zählt salopp gesagt die
Quantität. Um sicherzustellen, dass der Nachwuchs von
ihm selbst ist, versucht der Mann potenzielle Konkurrenten
abzuschirmen, indem er z.B. möglichst oft mit seiner
Partnerin Sex hat. Denn biologisch gesehen, kann sich
der Mann selbst bei einer festen Partnerin nie sicher sein,
ob er auch der Vater der Nachkommen ist.
Die Frau kann nur wenige Kinder gebären für sie zählt
salopp gesagt die Qualität. Denn sie möchte biologisch
gesehen Nachwuchs mit genetisch möglichst idealen
Voraussetzungen, und sie möchte einen hilfreichen Vater
für ihren Nachwuchs. Während der Mann also vor allem
bei der körperlichen sexuellen Untreue der Frau viel zu
verlieren hat, hat die Frau eher bei der emotionalen
Untreue des Mannes zu leiden. So sind einzelne
Seitensprünge des Mannes - rein körperlich betrachtet -
für die Frau verkraftbar. Gefährlich wird es jedoch, wenn
aus einem Seitensprung eine Affäre wird, und der Mann
als Versorger des eigenen Nachwuchses auszufallen
droht.
Bloß gut, dass die Biologie nicht das einzige Maß für
unsere Partnerwahl ist. Die Art, wie wir Partnerschaft
leben, ist stark kulturell bedingt und lässt viele Varianten
zu. Wir können monogam oder polygam leben,
heterosexuell oder homosexuell, können es an den
fruchtbaren und an den unfruchtbaren Tagen tun. Das
Besondere an uns Menschen ist, dass wir mehr
Möglichkeiten als unsere biologischen Programme haben,
weil wir über Bewusstsein verfügen: Warum handeln wir
wie und welche Konsequenzen sind zu erwarten? Das ist
die Voraussetzung für Wahlfreiheit. Wir können unsere
Sehnsüchte erkennen und ausleben, Freude am Sex und
Spaß am Leben haben.